Bilderwelt

Solitude
Altstätterstrasse 9

Sophie Taeuber verbrachte ihre ersten Trogner Jahre – die Zeit zwischen 1895 und 1901 – in der Solitude, einem kleinen Holzhaus, das dem Arzt und Direktor der Kinderkuranstalt Hans Zellweger-Krüsi, Sophies Onkel, gehörte. «Mama […] hat das unscheinbare Häuschen weiss malen lassen und einfach aber reizend eingerichtet», hielt Erika Taeuber in ihrem Tagebuch fest. Oben die ganze Familie, unten Mutter, Hans und Sophie.

Villa Taeuber
Altstätterstrasse 3

Sophie Taeubers Mutter plante und baute um 1900 ein grosses Haus im Schweizerstil. Auf den Bauplänen sind den Zimmern Farben von Blumen zugeordnet, und in einem Beschrieb der Handwerksarbeiten ist fast jedes Detail geregelt. Die Familie zog im Juni 1901 in die «Villa Taeuber» ein und lebte darin bis 1908. Das Haus war unter anderem Herberge für französisch sprechende Pensionäre der Kantonsschule Trogen und englisch sprechende Au-pairs.

Sonnenhof

«Oft musizier[t]e ich mit ‹Vorne›, das war das Zellweger’sche Doktorhaus, wo wir vollkommen zu Hause waren, von Onkel Hans immer mit Güte und Humor behandelt», steht im Tagebuch von Erika Taeuber. – Der 1761 erbaute Sonnenhof war 1881 bis 1908 Zellweger’sche Kinderkuranstalt, mit bis zu 40 Kindern, geführt von Sophie Taeubers Onkel Hans Zellweger-Krüsi. Ab 1949 prägte die Bäcker- und Konditorfamilie Ruckstuhl das Haus, seit 2021 befinden sich darin sechs Wohnungen: www.jahrhundertderzellweger.ch/sonnenhof.

Schurtanne

1824 wurde die durch den Philanthropen Johann Caspar Zellweger-Gessner gestiftete Armenschule Schurtanne eröffnet. Auf dem Foto von ca. 1900 posieren die «Waiseneltern» und ihre Kinder mit landwirtschaftlichen Geräten. 1986 genehmigte das Stimmvolk von Trogen den Verkauf. Seither wird das Gebäude als Wohnhaus genutzt, der Stall im Hintergrund als Werkhof . – Zahlreiche Fotos aus den Alben von Sophie Taeubers Mutter zeigen die Umgebung der Schurtanne. In der Vierergruppe auf dem Holzzaun sitzt Sophie rechts aussen.

Astwald

Von der Feuerstelle im Astwald bis zur Grossen Säge ist ein Teilstück der vermutlich ältesten Verkehrsverbindung von St.Gallen über Vögelinsegg und Speicher zum Ruppen und nach Altstätten erhalten. Es wird in Schriften des 19. Jahrhunderts als «alte Landstrasse im Astwalde» bezeichnet. Mehrere Fotos in den Alben der Familie Taeuber zeugen von Spaziergängen in dieser landschaftlich schönen Umgebung.

Steinbruch

«Steine wurden im Ast und am Nistelbühl, Quader im Bade geholt», heisst es im Appenzellischen Monatsblatt vom Mai 1841 über den Trogner Kirchenbau um 1780. Auch für den Bau des späteren Rathauses wurden im Winter 1802/03 Sandsteinquader aus dem Steinbruch im Nistelbüel auf Pferdeschlitten zum Landsgemeindeplatz befördert, wie ein Brief von Anna Barbara Zellweger-Zuberbühler belegt. – Ein Bild der Steinbrüche im Oberen Ast und Nistelbüel ist nicht überliefert, dafür ein Foto von Sophie Taeuber im Wald.

Grosse Säge

Um 1830 als Sägerei und Schenkhaus erstmals erwähnt. Die Wirtschaft war bis 1999 in Betrieb. – Am 6. Oktober 1908 schrieb Sophie Taeuber an ihre Schwester Erika: «Am letzten Tag, als [Staub, ein Besucher,] in Trogen war, gingen wir von der Grossen Säge auf den Saurücken, es war ein wunderschöner Spaziergang. Gerade als wir oben ankamen, ging die Sonne unter. Die Berge waren wunderschön. Dann wollten wir runtergehen, kamen aber schliesslich nach Landmark und von da liefen wir in einer ¾ Stunde heim.»

Lindenbüel

Das heutige Seminar- und Ferienhaus Lindenbühl wurde 1840/41 von Eduard Zellweger als Landwirtschaftsbetrieb mit Käserei und Bierbrauerei erbaut. Zellweger starb verarmt, und 1857 übernahm sein Bruder, der Banquier Johann Ulrich Zellweger-Ryhiner, das Anwesen. Er führte darin eine Erziehungs- und Webanstalt für junge Männer. Ab 1886 «Grand Hôtel», war das Lindenbühl ab 1898 Feriendomizil der Familie Zellweger und ab 1952 im Besitz des Schweizerischen Arbeiter­hilfswerks. Seit 2003 gehört das Haus einer Genossenschaft.

Neuschwendi

Die Häusergruppe in der Neuschwendi datiert ins 18. Jahrhundert. Der «Schwanen», das zweite Haus von links, war ein Gasthaus mit Bäckerei und Tanzsaal. Von 1928 bis 1969 waren die Häuser «Kurheim und Lebensschule» der Naturärzte Anna und William Martens. 1974 wurde auf Initiative von Eltern geistig behinderter Kinder und auf anthroposophischer Basis durch den Heilpädagogischen Verein Küsnacht ZH das Werkheim Neuschwende gegründet. 33 Menschen leben hier; seit 2017 ist die Trägerschaft ein Verein mit Sitz in Trogen.

Bruederbach

Das tiefe Tobel des Bruederbachs, einst «Trogner Tobel», heute «Bleichitobel» genannt, charakterisiert die unmittelbare Umgebung, in der Sophie Taeuber aufwuchs. Von der Solitude und der Villa Taeuber steil abfallend, zerschneidet es die direkte Verbindung zwischen dem Dorfkern von Trogen und seinen Fluren Bleichi und Neuschwendi. Um 1900 war das Tobel noch wenig bewaldet. Die Steinbrücke datiert aus der Zeit des Strassenbaus von Trogen nach Wald 1859/60. Sie wurde 1955 durch die heutige Brücke ersetzt.

Stuchenplatz

Die Flurnamen Bleichi, Stuchenwäldli und Stuchenplatz zeugen vom Leinwandgewerbe in Trogen in vorindustrieller Zeit. «Stuche[n]» sind gemäss Sprachforscher Titus Tobler «dünne, feine Leinwand[tücher]». Johann Conrad Honnerlag vermachte den Stuchenplatz 1838 der Gemeinde mit der Auflage, «Allee, Fusswege, Häge etc.» zu pflegen, damit der Ort «dem Publikum immer als Spaziergang offen stehe». Um 1906/07 posierte Georg Zellweger-Gardner mit Begleitung in der Parkanlage.

Landsgemeindeplatz

In geraden Jahren – seit der Teilung des Landes Appenzell 1597 bis zur Abschaffung 1997 – fand hier die Ausserrhoder Landsgemeinde statt, 1990 erstmals mit Frauen. Die Bauwerke am Platz zeugen vom Reichtum der Familie Zellweger, die im 18. und frühen 19. Jahrhundert im Handel mit Leinwand, Rohbaumwolle und gemusterten Baumwolltüchern tätig war: mit Niederlassungen in Lyon und Genua. 2020/2021 wurde der Platz gepflästert. – Die Fotos zeigen die Landsgemeinde 1900 und einen Jahrmarkt.

Hinterdorf

Die Häuserzeile, die das Hinterdorf bildet, gehört zu den ältesten im Dorfkern von Trogen. Sie säumte den alten Fahrweg von Speicher im Westen und verzweigte sich zwischen Schäfli – im zweiten Bild ganz links –, Fünfeckpalast, alter Drogerie und Brunnen Richtung Norden hinunter zum Chastenloch und nach Rehetobel, Richtung Osten via Schopfacker ins Bleichitobel und nach Wald und Richtung Süden zum Landsgemeindeplatz und zur Altstätterstrasse, an der Sophie Taeuber aufwuchs.

Bahnhof Trogen

Die elektrische Strassenbahn St.Gallen-Speicher-Trogen wurde im Juli 1903 eröffnet. «Wer mit offenen Augen und einem wachen Sinn für die Schönheiten der Landschaft von St. Gallen nach Trogen fährt, wird zugeben müssen, dass die Trogenerbahn dem Fahrgast ein ausserordentliches Landschaftsbild zeigen kann», heisst es in einer Werbeschrift. Aber nicht nur das: Die «TB», wie die Bahn hiess, bevor sie 1996 zu den Appenzeller Bahnen kam, elektrifizierte nicht nur das Dorf, sie verband ab sofort Trogen mit der Welt.